Porträt von Miroslav Danys
Langjähriger Osteuropa-Beauftragter der Lippischen Landeskirche: Pfarrer i.R. Miroslav Danys

Miroslav Danys vor 50 Jahren ordiniert

Der 76-jährige hat für die Lippische Landeskirche lebendige Beziehungen in osteuropäische Länder gepflegt

Detmold. Der langjährige Osteuropa-Beauftragte der Lippischen Landeskirche, Pfarrer i.R. Miroslav Danys, ist vor 50 Jahren ordiniert worden.

Insbesondere hat der heute 76-jährige sich für den Aufbau der Schlesischen Diakonie und der Diakonie in Litauen eingesetzt.

Seine Osteuropa-Beauftragung verband er mit der christlich-jüdischen Beauftragung: Mehrere Male sind Delegationen aus Lippe unter seiner Leitung nach Litauen gereist, um dort jüdische Friedhöfe instand zu setzen und zu pflegen.

Danys wurde 1949 im schlesischen Teschener Land, in Třinec, in der damaligen Tschechoslowakei geboren. Das Theologie-Studium führte ihn 1968 zunächst  nach Prag. Da er unter Beobachtung der tschechischen Stasi stand, setzte er sein Studium in Warschau fort. Nach seinem Magister emigrierte er dauerhaft nach Polen. Ordiniert wurde er am 4. April 1976 in der Reformierten Kirche in Warschau und arbeitete hier zwei Jahre als Pfarrer. Doch auch hier blieb er unter Beobachtung der tschechischen Stasi.

1978 gelangen ihm und seiner Frau Jolanta, die er in Warschau kennengelernt und geheiratet hatte, die Flucht in die Niederlande. Dort studierte Danys in Utrecht Mission und Ökumene und in Amsterdam Slawistik. In dieser Zeit beantragte er die deutsche Staatsbürgerschaft seines Vaters. Der weitere Weg führte ihn und seine Frau aus den Niederlanden nach Lippe. Der Theologe wurde Pfarrer in der evangelisch-reformierten Kirchengemeinde Heidenoldendorf von 1981 bis 2006.

 

Versöhnung und Wiederaufbau

 

Die Wirtschaftskrise in Polen brachte ihn wieder nach Warschau – er organisierte Hilfstransporte aus Lippe. Durch sein Engagement für Versöhnung und Wiederaufbau, zum Beispiel für das evangelische Krankenhaus in Warschau, kam er sogar in Kontakt mit Persönlichkeiten wie Helmut Kohl und Richard von Weizsäcker. 2006 holte ihn der damalige Landessuperintendent Gerrit Noltensmeier dann in das Landeskirchenamt als Studierenden-Seelsorger und ersten Osteuropa-Beauftragten.

Danys, der tschechisch, polnisch, deutsch und russisch spricht, pflegte seitdem für die Lippische Landeskirche vielfältige Beziehungen in osteuropäische Länder. Insbesondere Litauen lernte Danys intensiv kennen. Beispielsweise initiierte und leitete er mehrere Begegnungsreisen zur Pflege jüdischer Friedhöfe in Litauen. Die Unterstützung des Aufbaus der Diakonie zusammen mit der Stiftung Eben-Ezer war ein Anliegen, das Danys ebenfalls wichtig war. „Die Schlesische Diakonie ist heute mit 2.000 Mitarbeitenden sehr lebendig“, kann er berichten. 2017 erschien sein Buch „Diakonie im Herzen Europas: Ursprünge, Entwicklungen und aktuelle Herausforderungen in West & Ost, neu betrachtet aus Anlass des Reformationsjubiläums“.

 

Erinnerung lebendig halten

 

Ein besonderes Interesse bringt er dem litauischen Lehrer, Philosoph, Humanist, Dichter und Theosoph Vydunas (1868-1953) entgegen, der seine letzten Lebensjahre in Detmold verbrachte. Vydunas stammte aus einer preußisch-litauischen Familie mit deutscher Prägung. Er widmete sich Zeit seines Lebens den deutsch-litauischen Beziehungen und der Völkerverständigung. Auf der Flucht vor der sowjetischen Armee kam Vydunas nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges nach Detmold. Danys hält die Erinnerung an Vydunas lebendig.

Neben seinem außerordentlichen Engagement für Länder Osteuropas, war Miroslav Danys ein verlässlicher Ansprechpartner für die internationalen Studierenden im Detmolder Studierendenwohnheim „Die Burse“. „Da bestehen heute noch Kontakte“, freut sich Danys. Derzeit lebt Miroslav in Detmold und einen Teil des Jahres in Teschen.